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Armes Deutschland
Mein Deutschland ist so arm Dass die Penner im Park Ihre Pfandflaschen Liegen lassen Müssen
Das heilige Reh
Das heilige Reh verrottet im Wald Es starb dort im Winter - wie bitter, wie kalt Jetzt modert es dort schon seit mehreren Wochen Bald finden wir nur noch des Tieres Knochen Was wir aus dem Reh nun, dem toten im Wald? Rehliquien halt
Das unscheue Reh
Dort links der Allee Da steht dieses Reh Und äst frisches Gras Das macht ihm wohl Spaß Und es ist gar nicht scheu Doch das ist nicht neu Denn schon letztes Jahr Ziemlich genau um diese Uhrzeit stand es schon einmal da
Endlösung
Ja, das Glück, es ist vergänglich Manche suchens lebenslänglich Andre geben auf Ich sauf
Reform
Die
neue
Rechtsschreibung
kann
ich
gut
Schöne Sehnsucht
Wenn Sehnsucht sich mit Sehnsucht paart Dabei des Andren Wünsche wahrt Wenn Blicke sich in sich verfangen Und Augen strahlen und nicht bangen Wenn Körper engumschlungen stehen Und Stunden wie im Flug vergehen Wenn alles rundherum verschwimmt Ein Kuss dir deinen Atem nimmt Das ist dann dieser Glücksmoment Nachdem sich alle Liebe sehnt
Der geplatzte Traum
Er wollte Kanzler werden Auf Erden Rüttelte am Zaun Und alle Wählerherden Werden Vorsorglich ab wohl haun So würds geschehn Im Traum Jedoch bei Licht besehn Hats trotzdem HIngehaun
Kurzlyrik aus dem Zyklus ”vierzeil mir”
WM
Die Welt ist jetzt zu Gast bei Freunden Die Welt ist da, säuft unser Bier Vier Wochen fällt das Land nicht trochen Den fleiß´gen Brauern danken wir
Mond und See
Heute leuchtet sehr helle der Mond Über den Wipfeln des Waldes er thront Und drüben am Weiher trinket ein Reh Ich will ihm schnell sagen, daß ich es seh
Ach Mutter
Ach Mutter, die Du mich gebarst Und gleich darauf mir Mutter warst Und stets vor Unbill mich bewahrst Sag mir, ob Du die Butter sahst
Das Klopapier
Ob Danke oder Pro Natur Ob feucht, geblühmt, dreilagig weiß Das Klopapier, es trennt doch nur Die Finger von der Scheiß
Liboriberg
Liboriberg mit Karussell Tust Kinderherz erfreun Der Vater steht am Bierrondell Verläßt es nur zum spein
Der Borchener Wald (ein Heimatgedicht)
Stille ist der Wald bei Borchen Sagt der Förster mir verschmitzt Wenn du deine Ohren spitzt Kannst du bis nach Alfen horchen
Mallorca
Steht nach Urlaub uns der Sinn Fliegen wir nach Palma hin Und zum Freunde heißt es dann Wir sehen uns bei Ballermann
Hasenpo
Gestern aß ich Hasenpo Ich geb zu er schmeckte so Wie, als ob man Rasen kaut Den schon jemand hat verdaut
Sex
Ich bin heut von Sex besessen Leider hab ich bloß vergessen Was man in dem Fall so tut Vielleicht frage ich mal Ruth
Holunder
Unter dem Holunderbaum Sah ich den Pollunder kaum Doch wie sollte ich das auch Ist Holunder doch ein Strauch
Im Mai
Im Maien wird es Grün Und viele Blumen blühn Die andern blühn im Sommer Und das freut unser Oma
Gedichte aus dem Bauch und aus dem Kopf
Das Leid der Frauen
Wie viele Frauen wollen erobert werden und vergessen dabei, daß erfolgreiche Eroberer zu Herrschern werden.
Warten
Jedes Geräusch Nicht eindeutig Bekanntem zuzuordnen Aufsaugen Bewerten Dem nicht Erwarteten Zurückgeben Und Warten
Gedichte vom Räupling
Buddhistische Metamorphose ...
Ein Räupling saß auf einem Stein Und blickte in die Welt hinein Da kam der Fuß vom Wanderer Der Räupling ward ein anderer
... und Christliche Alternative
Ein Räupling kam vor Gott und sagte Als eben dieser ihn nett fragte Warum er denn kein Schmetterling Weil es mir anders besser ging
Nathan der Kleine (aus stanis 2. Soloprogramm “Casting-Showdown der Vortragskünste”)
An grauen Tagen lebt ein Kind im Westen Daß einen Lolli rund und bunt Und schön aus lieber Hand besaß Der Lolli war oval, Nach dem auch andre Kinder lechzten Und hatte die geheime Kraft an sich Den Menschen bei dem Kind beliebt zu machen Der ihn ihm gab in dieser Dings, äh, Dings, äh, Zuversicht. Nun war es, daß das Kind drei Väter hatte. Das klingt zwar blöd, doch echt, es waren drei. Der erste wurd durch Zeugung gleich zum Vater. Doch machen Chromosomen nicht beliebt Schon automatisch jeden, der sie gibt. Der zweite half dem Kind beim Schaukeln Und auch beim Basteln und er konnte gaukeln, Was kleine Kinder nie nicht hat betrübt. Der dritte Mann war grad der Freund der Mutter, Als die Geschicht, die ich erzähl, passiert. Der Fall, nein, das Problem war nämlich so: Der Vater, jener mit den Chromosomen Und dadurch Vater, daß er diese gab Und Geld, hätt Liebe gerne auch gegeben Dem Kind. Das aber stört die Mutter arg. So ähnlich gings dem zweiten, jenem Gaukler, Dem sowohl Schaukeln als auch Basteln lag. Er durft das Kind seit jener Stund nicht sehen, Da ihn die Mutter aus dem Hause bat, Um mit dem neuen Freund das Bett zu teilen. So sannen beide, Chromosom und Gaukler, Nach einem Weg, des Kindes Gunst zu heben Für sie, die es so selten nur noch sahn Und wußten beide aber von dem Lolli, Von seiner Kraft, und auch, woher er kam Und kauften beide zum Geburtstag ihm, Dem Kind, nen Lolli, jeder, beide gleich Dem oben jetzt schon oft erwähnten Lolli An Farbe, Form und Preis und an Geschmack Und trachteten, dem Kinde ihn zu schenken. Die Mutter aber roch den Braten schon Und gab nun ihrerseits dem Freunde auf, Dem Kinde zum Geburtstag einen Lolli Zu kaufen, wie die andern beiden zwei. Der Freund, der anfangs sich dem Plane sperrt, Sagt schließlich zu, nen Lolli zu besorgen, Verbindets aber mit der Dings, der Forderung: “Daß uns das Blage dann im Bett nicht stört.” So kam es, daß das Kind nun zur Geburt, Nein, zum Geburtstag nun der Lollis drei Von seinen Vätern zum Geschenk bekam: Das Kind erkannt den Sinn dieser Geschenke Sofort und wußte um der Väter Wunsch Und sann, wie jener Richter bei Herrn Lessing Nach einem Weg aus der vertrackten Rund Und gab, nachdem es wohl erwogen hatte; Den Lollivätern einen weisen Rat: “Wie wärs”, sprach es, “Wenn ihr, die ihr mir gut sein wollt, An jedem Sonntag Karten spielt. Ihr könnt beim Skat dann ruhig streiten Und so ein einig Team von Vätern sein. Ich aber nehme meine Mama mit Und gehe mit ihr in den nächsten Zoo. So bin ich dankbar allen meinen Vätern Und mal allein mit meiner Mama. - So!”
Zum Geburtstag (aus stanis 2. Soloprogramm “Casting-Showdown der Vortragskünste”)
Kaum zu glauben, aber wahr Heribert wird heut 60 Jahr. Verwandte und Freunde freuen sich mit dir Und feiern heut Abend bei Musik und Bier. Du bist allseits beliebt und das sollst du auch bleiben, Hat deine Brille auch diche Scheiben. Mit deinen Dioptrin siehst du zwar nur noch wenig Doch unter den Blinden bist du natürlich trotzdem der König. Auch deine Enkel finden dich klasse. Für Sie hast du immer Zeit en Masse. Zum Glück wohnen ja noch alle bei dir, Zwei Kinder, fünf Enkel und der Hund, das liebe Tier. Aber auch Tauben züchtest du ja; Stellst jedes Jahr mindestens ein Siegerpaar. Doch damit läßt dus genug nicht sein. Aus Äpfeln kelterst du eigenen Wein. Den probierten wir gerne in fröhlicher Runde. Danach war er dann in aller Munde. Auch Johannisbeeren vergorest du schlauer, Doch das Ergebnis war leider etwas sauer. Trotzdem haben wir es runtergespült. Du hast die Flaschen eben etwas kälter gekühlt. Ein weiteres Hobby von dir ist das Rauchen, Wofür wir dich aber überhaupt nicht loben brauchen. Du solltest dabei auch mal an deine Frau denken; Trotzdem erleichtert es natürlich allen das Schenken. Ob Aschenbecher oder Zigarette Oder ein Frischluftbäumchen von Annette. Doch fühlt sich deine Rosemarie dadurch nicht besser. Vielleicht schenken wir ihr nächstes Mal einen Feuerlöscher. Denn daß du nicht auch noch beim Tanken rauchst, Liegt daran, daß du für dein Fahrrad kein Benzin brauchst. Aber jetzt genug mit der Schelte, Du schickst mich sonst noch raus in die Kälte. Und das wär ja nicht schön und das tust du auch nicht. Das verrät mir ja schon dein verschmitztes Gedicht. Doch am Ende, Heribert, du fast alter Mann Zeig, was man in diesem Alter noch kann. Drum sollst du deine Gäste auch nicht länger quälen Und uns sofort deinen Lieblingswitz erzählen. Da warten wir nämlich schon alle drauf Und deshalb höre ich jetzt auch auf.
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